16.11.2012

Nachdem der geplante Ausflug nach Tel Aviv wegen eines Raketenangriffes gecancelt werden musste, haben wir uns entschlossen einen Tag am Strand zu verbringen.

Kurz bevor ich mit meinem Austauschpartner am Morgen aus dem Haus ging unterwies mich die Mutter in Sicherheitsanweisungen:

Wo ist der naechste Bunker.

Was ist das Alarmsingnal.

Was mach ich wenn kein Bunker in der Naehe ist.

Usw.

Und so fuhren wir dann, da wir zu spaet waren, mit dem Vater zur Schule, um uns einen Film ueber Minderheiten anzuschauen.

Da der Film sowohl in Deutschland und Israel, mit den jeweilige sprachen, spielt passte der Film nicht nur gut zum Thema Minderheiten sondern auch gut in unsere Gruppe.

Der Regisseur kommt allerdings aus Israel.

Am Ende war die Moral des Filmes bei weitem besser als die schauspielerische und regisseurische Leistung. Dennoch war der Film sehr passend und sehr gut ausgewaehlt da es in ihm in jeder Form um Mnderheiten ging: ob religioese oder sexuelle Anbsichten, ob kulturelle oder sportliche Interessen, ob Beruf oder Musikalischen Geschmack, war alles mit einmem zuckersueßen Ende vorhanden. Der Film hieß: "Walk on Water" von Eytan Fox.

Nach dem Film sind wir, wie gesagt, an dem Strand gegangen, wo wir uns sonnten, schwammen und Spass hatten.

Doch die Stimmung wurde kurz getruebt, als der, fuer uns hoerbare, Alarm in Tel Aviv anging und wir die Explosion einer abgeschossenen Rakete hoerten. Doch sowohl die Israelis als auch die Lehrer blieben ruhig und so blieben wir lange am Strand. Es wird nicht das letzte mal sein, dass ich so nah am Kriegsgeschehen war, ich werde sogar einen Tag spaeter direkt eine Explosion sehen!

Als ich nach Israel ging, dachte ich, ich wuerde vor Ort besser ueber die Situation urteilen koennen, ich dachte ich wuerde die Bilder besser fassen koennen. Doch mir wurde schnell klar, dass es hier, durch die verschiedenen Kulturen und Meinungen der vielen Einwanderer noch schwieriger ist, ein klaren Bild zu erhalten. Fest steht allerdings dass meine Gestfamilie sehr liberal ist, im Vergleich zu anderen.

Die Meinungen darueber, wem das Land gehoert und wem nicht, gehen auseinander und die Tatsache, dass das Land voller Minderheiten ist, macht das nicht leichter.

Am Abend ging ich mit der Familie zu Abend essen. Dabei darf man nicht vergessen, dass Freitag Sabbat ist und somit der israelische Freitag unser Samstag und der israelische Samstag unser Sonntag. Womit in Israel am Sonntag Schule ist!

Ich denke, dass auch das abendliche Essen sehr dazu beigtragen hat, dass der Tag noch nervenaufreibender war als der Tag in Jerusalem und dem Holocaust Museum.

Der Grossvater und der Onkel und Cousine meines israelischen Freundes waren mit zu Gast. Der Grossvater war Ueberlebender des Holocaust und kommt aus Oestereich-Ungarn, besser gesagt aus Rumaenien. Er spricht Deutsch, Englisch, Franzoesich, Rumaenisch und Hebraeisch. Natuerlich hab ich die einmalige Chance genutzt, mich mit ihm zu unterhalten. Ich will das Gespraech nicht genau wiedergeben, aber es war sehr bewegend und emotional, zumal er mich immer, abwechselnd, "MEIN JUNGER FREUND" oder "MEIN NEUER FREUND" nannte. Dannach assen wir und lachten und machten Scherze, als das Essen kam. Die Nachricht, dass sogar Jerusalem beschossen wurde, Tel Aviv gestern, schien wie vergessen. Doch wieder holte uns die Realitaet ein, als das Telephon klingelte. Wir erfuhren nur, dass etwas mit dem Bruder geschehen sei, der an der Grenze zu Gaza als Doktor stationiert war. Fuer eine halbe Stunde wussten wir nicht genau, was passiert war! Dann kam die Meldung, dass er mit beim Einmarsch in Gaza beteiligt sein wuerde und dass es schon sehr bald dazu kommen koennte. Es dauerte lange, bis sich die Familie, am meisten natuerlich die Mutter, beruhigt hatte. Doch die Familie blieb nicht den Abend in Trauer, und lachten wieder keine 20 min danach. Und ich war der Erste der die Mutter wieder zum Lachen brachte, worueber ich sehr gluecklich bin.

Alles im Allem ein sehr aufregender Tag fuer einen deutschen Gast, wenn auch nicht so aufregend fuer die Menschen, die hier leben.

Tom Schremmer