Stolpersteine putzen am 9. November

Der 9. November ist ein Tag, welcher in all unseren Geschichtsbüchern immer wieder genannt wird. Dieses Datum spielt in Deutschland nach wie vor eine große Rolle. Einige Leipziger Schüler, Lehrer, Vereine und Privatpersonen haben sich auch in diesem Jahr wieder versammelt, um den im Zweiten Weltkrieg  ermordeten jüdischen Familien zu gedenken.  Die Veranstaltung begann mit einer Zusammenkunft aller Beteiligten an der ehemaligen Synagoge in der Gottschedstraße. Dort wurden die Lebensläufe der Familien verteilt , die um 1938 in Leipzig lebten, es wurde über die damaligen Geschehnisse gesprochen  eine Gedenkminute zu Ehren der Familien und der Opfer der Reichspogromnacht  am 9.11.1938 gehalten.

Nachdem sich dann alle Beteiligten unserer Schule (10 Schüler der 9.1 in Begleitung von Frau Recknagel) in der Fregestraße 21 wiedergetroffen haben, begann das „große Saubermachen“. Die Stolpersteine* der Familie Kralovitz wurden  von allen solange geputzt  und bearbeitet, bis sie golden glänzten und die mitgebrachten Kerzen und Rosen  rund um die Stolpersteine angeordnet werden konnten.  Dabei verlasen wir laut eine Kurzbiographie der Familie Kralovitz. Still gedachten wir anschließend der damals vierköpfigen Familie, von welcher Vater, Mutter und Tochter dem NS-Regime  zum Opfer fielen. Einzig und allein überlebte der Sohn Rolf Kralovitz, welcher heute immer noch in Köln lebt.

*Stolpersteine ist ein Kunstprojekt des Bildhauers Gunter Demnig. Golden glänzende Steine mit Inschriften werden in den Boden eingelassen um alle Bürger an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.

Lena Baumann, Klasse 9.1

November 2011

 

 

Vier Steine, vier Namen, vier Menschen


Reclam-Schüler forschen nach "Menschen ohne Grabstein"

Unter dem Motto "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist." erinnert der Künstler Gunter Demnig seit 1993 an die Opfer der NS-Zeit. Über kleine Gedenktafeln aus Messing, die vor dem letzten selbstge­wählten Wohnort der Opfer in den Gehweg eingelassen werden, stolpert man nun schon in über 300 Orten in Deutschland, Österreich, Ungarn und den Niederländern über ehemalige Bewohner der Orte, die vom Nazi-Regime verfolgt, deportiert und schließlich ermordet wurden.

In jedem Stolperstein sind die Worte „Hier wohnte“ und darunter der Name, Jahrgang und das Schicksal der betreffenden Person eingestanzt. Mit den Steinen soll die Erinnerung an die Men­schen, die einst dort wohnten, lebendig gehalten werden. Seit 2006 erinnern auch in Leipzig an vielen Orten Stolpersteine an Holocaustopfer, an Menschen ohne Grabstein.

Von September 2008 bis Mai 2009 waren wir, die Schüler der damaligen 9.1 und 9.4, im Rahmen unserer komplexen Lernleistung im Fach Geschichte an dem Projekt beteiligt. Vorgestellt und betreut wurde das Projekt von Frau Macholdt und Frau Wan­ke sowie von Herrn Börner von der evangelischen Jugend Leipzig, der offiziellen Arbeitsgruppe des Stolperstein-Projekts hier in Leipzig.

Obschon Herr Börner uns im Unterricht einige Tipps gab, welche Bücher es gibt, an welchen Orten man Unterlagen aus der NS-Zeit und zu den Juden in Leipzig finden konnte, standen wir anfangs ziemlich planlos vor dem Projekt. Sollten wir in Gruppen zu maximal fünf Schülern doch selbst eine geeignete Person finden, deren Biografie recherchieren, das Geld für unsere Stolpersteine auftreiben und ein Lerntagebuch führen. Wir wussten gar nicht recht, wie wir das anfangen sollten.

Nach einigen klärenden Diskus­sionen hatte letztlich jede Gruppe einen Namen und es ging an die mühsame Re­cherchearbeit. Teils begleitet von Frau Macholdt und Frau Wanke, teils allein in unserer Freizeit besuchten wir das Stadtarchiv, die Bibliothek der Universität Leipzig, die Exilsammlung in der Deutschen Nationalbücherei und/oder die israelische Gemeinde d. h. die Carlebach Stiftung. Jedes Mal kamen wir mit vielen Informationen oder Büchern, aber auch mit vielen Eindrücken und Gefühlen nach Hause. Weiterhin besuchten wir zusammen den von der Regisseurin Dörte Franke gedrehten Dokumentarfilm über das Stolperstein Projekt sowie das ehemalige Konzentrationslager in Buchenwald und veran­stalteten zum Tag der offenen Tür in unserer Aula eine Ausstellung zu dem Stolperstein-Projekt.

Je mehr wir uns mit dem Projekt beschäftigten, je mehr wuchs unser Interesse und eigentlich auch un­sere Fassungslosigkeit, dass so etwas tatsächlich geschehen konnte.

Unsere Suchen waren mühsam! Unsere Suchen sind beendet! Unsere Suchen waren, dank Unterstützung der Geraer Dresdner Bank und des Fördervereins unserer Schule, erfolgreich! Am Freitag, den 21.08.2009 wurden in Gedenken an Daniel David Katzmann, dem letzten Direktor der höheren israelitischen Schule in Leipzig (Carlebach Schule), seiner Ehefrau Hilde, seiner Tochter Inge und seiner Schwiegermutter Rosa Rothschild in der Gneisenaustraße 7 vier Stolpersteine verlegt. Die von uns erstellte Biografie ist auf der Internetseite des Leipziger Stolperstein-Projekts veröffentlicht.

Sarina Lohsträter, Klasse 10.1

August 2009