Europa am Reclam – gelebter Austausch und Freundschaften über Ländergrenzen hinweg


Sprachunterricht wird an unserer Schule groß geschrieben; aber darüber hinaus wird Europa an unserer Schule durch Begegnungen, Austausch und gemeinsames Lernen lebendig. Seit vielen Jahren schaffen wir Möglichkeiten für unsere Schüler*innen, andere Länder, Sprachen und Kulturen kennenzulernen und dabei neue Perspektiven auf die eigene Lebenswelt zu gewinnen.
Unsere langjährigen Austauschprogramme mit Partnerschulen in Frankreich, Spanien, Italien, der Tschechischen Republik und der Schweiz sind ein wichtiger Bestandteil unseres schulischen Lebens. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht allein das Erlernen und Anwenden von Fremdsprachen. Vielmehr möchten wir unseren Schüler*innen ermöglichen, Menschen aus anderen Ländern wirklich kennenzulernen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken und Vorurteile durch persönliche Erfahrungen abzubauen.
Diese internationalen Begegnungen eröffnen Räume, in denen unsere Schüler*innen erleben, wie bereichernd Zusammenarbeit und Freundschaft über Grenzen hinweg sein können. Sie lernen, andere Sichtweisen einzunehmen, sich auf ungewohnte Situationen einzulassen und gemeinsam Lösungen zu finden. Gleichzeitig wachsen dabei Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen – und nicht zuletzt das Bewusstsein dafür, wie wichtig ein respektvolles, demokratisches und solidarisches Miteinander ist.
Derzeit arbeiten wir mit großem Engagement an unserer Akkreditierung für das Erasmus+-Programm. Eine erfolgreiche Akkreditierung würde uns neue Möglichkeiten eröffnen: Wir könnten bestehende Partnerschaften weiterentwickeln, zusätzliche Austauschformate schaffen, individuelle Auslandsaufenthalte ermöglichen, Auslandspraktika für Schüler*innen unterstützen, Fortbildungen für Lehrkräfte anbieten und gemeinsame Projekte mit europäischen Partnerschulen auf den Weg bringen. Damit würden wir zugleich einen wichtigen Schritt hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit gehen, denn internationale Erfahrungen sollten nicht davon abhängen, welche finanziellen Möglichkeiten eine Familie hat.
Wir blicken deshalb mit großer Vorfreude auf die kommenden Jahre – auf neue Begegnungen, gemeinsame Ideen, spannende Projekte und viele Erfahrungen, die unsere Schüler*innen über den Unterricht hinaus prägen werden.
Für ein weltoffenes Reclam!
Teil 1 Spanien-Austausch: Leipzig







Der Austausch mit unseren spanischen Intercambio-Partner*innen aus Huesca ergab auch 2026 ein buntes Mosaik unvergesslicher Momente. Bereits nach dem Kennenlernen im März hier bei uns in Leipzig konnte man spüren, dass unsere Gäste und uns weit mehr verbindet als trennt.
Zu Beginn des Austauschs, zeigten wir den Spanier*innen die wichtigsten Sehenswürdig-keiten Leipzigs während eines knapp dreistündigen Spaziergangs in kleinen Gruppen. Darauf hatten sich viele von uns intensiv vorbereitet. Es war ganz offensichtlich, dass die Erkundung in kleinen Gruppen auf persönlicher Ebene wesentlich attraktiver ist als die im Rahmen einer professionell geführten Tour. Den Schlusspunkt des offiziellen Teils des ersten Tages, bildete das Völkerschlachtdenkmal, das unsere Gäste sichtlich beeindruckte.
Die Tage vergingen wirklich wie im Flug. Am Dienstag fuhren wir mit den Spanier*innen nach Dresden und besuchten dort unter anderem die Galerie der Alten Meister und das Hygienemuseum. Auch Dresden fanden unsere Gäste ziemlich beeindruckend.
Gemeinsame Bildungserlebnisse wie etwa unsere Exkursion zur Gedenkstätte Buchenwald zeigten uns deutlich, wie sehr Faschismus und Nationalsozialismus die europäische Geschichte geprägt haben und wie groß das Leid war, das Anhänger*innen dieser Ideologie Millionen Europäer*innen zugefügt haben. An wenigen Orten der Welt liegen Kultur und Barbarei so dicht beieinander wie in Weimar und Buchenwald. Unsere Gäste erzählten uns, dass in Spanien auch mehr als 50 Jahre nach dem Ende der Franco-Diktatur der Riss durch die Gesellschaft, teils auch durch Familien, bis heute spürbar ist. Das sollten wir zwei Monate später während unseres Gegenbesuches mehr erfahren.
Beim gemeinsamen Brotbacken versuchten wir in der Brotbackschule gemeinsam mit unseren Gästen herauszufinden, was (Sauerteig-)Brot als „deutsches Kulturgut“ so besonders macht. Auch das war interkulturelles Lernen, nur freudvoller als das Eintauchen in die Geschichte anderentags. Witzig war auch das gemeinsame Erstellen von Intercambio-Comics.
Nach einem Samstagabend ganz unter dem Zeichen der Musikkultur, bei einem Konzert des deutschen Rappers und Musikproduzenten Samy Deluxe im Großen Saal des Gewandhauses,
hieß es dann auch schon Abschied nehmen, allerdings mit riesiger Spannung und Vorfreude auf die bevorstehenden Tage in Huesca.
Die Zeit bis Juni verging für unser Dafürhalten viel zu langsam. Am 7. Juni früh morgens ging es dann endlich los…
Teil 2 Spanien-Austausch: Intercambio Huesca






„El viajar ilustra“ – Reisen erweitert den Horizont. Das ist ein bekanntes spanisches Sprichwort, das sich während unseres Aufenthaltes in Spanien einmal mehr bestätigt hat.
Vom 08.-16. Juni haben etwa 25 Schüler*innen aus den 10. und 11. Klassen an einem Schüleraustausch in Spanien teilgenommen. Dieser führte uns in die wunderschöne kleine Stadt Huesca, die etwa 75 Kilometer nordöstlich von Saragossa liegt.
Unser Programm war sehr vielfältig gestaltet. Von Sport über Kultur bis hin zu geschichtlicher und politischer Bildung war alles dabei.
Unser erster Tag begann mit einem gemeinsamen Frühstück in unserer Partnerschule, wobei die Churros mit Schokolade auf jeden Fall ein erstes Highlight waren. Es folgte eine mehrstündige Führung durch das Stadtzentrum von Huesca. Dabei haben wir einen kurzen Einblick in die Geschichte der Stadt gewonnen, die über 2.000 Jahre zurückreicht. Den sich daran anschließenden Nachmittag haben die meisten von uns aufgrund der Hitze mit ihren Austauschschülern und mit Freunden im Pool verbracht.
Der 2. Austauschtag startete mit einem interessanten Vortrag über Wirtschaftskreisläufe und Recycling. Da dieser auf Spanisch gehalten wurde, gab es ein paar lustige Kommunikationsprobleme, aber insgesamt konnten wir gut folgen und haben viel Neues gelernt. Dann haben wir in Gruppen analysiert, wie es in unserer Partnerschule um das Thema Nachhaltigkeit steht und wie in Huesca bereits nachhaltige Politik umgesetzt wird, und gemeinsam Ideen entwickelt, um das Thema Nachhaltigkeit noch weiter voranzutreiben.
Den Nachmittag verbrachten wir in einer Kletterhalle beim Bouldern. Dieser sportliche Ausgleich hat nicht nur viel Spaß gemacht, sondern bot auch eine gute Gelegenheit, Zeit mit unseren Austauschschülern zu verbringen und uns noch besser kennenzulernen.
Am folgenden Mittwoch stand ein Tagesausflug nach Saragossa (spanisch Zaragoza) auf dem Programm. In dieser wunderschönen Stadt haben wir den Stadtpalast Aljafería besucht und dabei viel über seine Geschichte erfahren. Besonders beeindruckend war die kunstvolle Architektur dieses Ortes, die uns noch heute die Geschichte seiner prunkvollen Vergangenheit erzählt. Nach einer ausgedehnten Mittagspause, die wir zum Stadtbummel nutzten, folgte noch die Besichtigung der Basílica del Pilar, der größten Barockkirche Spaniens. Den Rest des Tages hatten wir wieder zur freien Verfügung. In kleinen Gruppen haben wir die Stadt selbstständig weiter erkundet. Einige von uns sind einfach durch die kleinen Gassen und die wunderschönen Parks der Stadt geschlendert, und andere haben sich spanisches Essen gegönnt. Am Ende ging es mit dem Zug wieder nach Huesca, wo alle glücklich und auch ein gutes bisschen erschöpft in ihre Betten fielen. (so die offizielle Verlautbarung ;)
Nach diesem langen Mittwoch war für den Donnerstag nun ein etwas kürzeres Programm geplant. Wir starteten sportlich in den Tag mit Padelspielen. Dafür mussten wir etwa eine halbe Stunde über einen sehr abenteuerlichen Weg(?) zur Paddle-Halle laufen. Dort angekommen, erhielten wir zunächst eine kurze Einführung. Im Verlauf des Vormittags hatten wir alle eine Menge Spaß und stellten fest, dass sich der lange Weg absolut gelohnt hatte.
Den Nachmittag verbrachten wir anschließend bei einer gemeinnützigen Organisation, der Fundación Valentia. Diese hilft Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen ihren Alltag zu bewältigen. Wir sind sowohl mit den Mitarbeitern als auch mit den Klienten ins Gespräch gekommen und haben uns über Sprachen und Kultur ausgetauscht.
Das absolute Highlight der Woche war allerdings das Rafting am Freitag. Schon während der Anfahrt war die Vorfreude riesig, da uns bereits von den Schüler*innen, die in den letzten Jahren an diesem Austausch teilgenommen hatten, viel über das Rafting erzählt wurde. Dort angekommen, erhielten wir zunächst eine kurze Einführung und
wurden mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet. Anschließend ging es in 6er- bis 8er-Gruppen aufs Wasser. Für viele von uns war es das erste Mal, weshalb die meisten zu Beginn noch etwas zögerlich waren. Man hatte den Dreh aber relativ schnell raus und dann ging es über 6 Kilometer den Rio Gallego hinab ins Tal. Gerade die wechselnden Strömungen haben für megaviel Spaß und Aufregung gesorgt. Besonders beeindruckend war außerdem die wunderschöne Landschaft um uns herum. Die roten Berge, die sich entlang des Flusses erstreckten und auf der Oberfläche des klaren Wassers spiegelten, und die Geier, die hoch oben kreisten, waren wirklich atemberaubend.
Nachmittags chillten wir noch mit den Spanier*innen im kleinen Schwimmbad nahe der Rafting-Station. Es war definitiv ein unvergesslicher Tag.
Im Anschluss daran folgte das Wochenende, das jeder von uns mit seiner Gastfamilie verbrachte. Einige sind bis nach Barcelona gefahren, um gemeinsam am Strand zu liegen und die Stadt zu erkunden. Andere blieben in Huesca, fuhren zu nahegelegenen Seen oder Flüssen (es war richtig heiß!) oder lagen einfach zu Hause am Pool und erholten sich ein bisschen.
Dann folgte unser letzter gemeinsamer Tag vor der Abfahrt. Diesen haben wir im Technologiepark Walqa verbracht. Dieser Park beheimatet über 60 Unternehmen, Start-Ups, Entwicklungslabore und Konzerne. Hier haben wir zuerst einen Einstiegsvortrag über den Park und seine Geschichte gehört. Danach durften wir in einige der Produktionsräume und Labore einen kurzen Blick werfen. Es folgte ein spannender Vortrag zum Thema „Grüne Energie“. Im Anschluss daran durften wir sogar den Prototypen eines mit Wasserstoff betriebenen Autos besichtigen, und dann ging es für uns wieder in Richtung Huesca.
Am Dienstag mussten wir uns dann schweren Herzens von unseren Austauschschüler*innen verabschieden. Es flossen auf beiden Seiten Tränen, als der Bus abfuhr und man nur noch das „Adiós, Amigos“ hören konnte. Zumindest um Spanien Adiós zu sagen, blieb uns noch eine Schonfrist, denn wir hatten noch ein paar Stunden Aufenthalt in Barcelona, wo wir die Sonne noch ein letztes Mal am Strand genossen. Dann brachte uns zuerst das Flugzeug zurück nach Berlin und anschließend der Bus nach Leipzig.
Die Woche ist wie im Flug vergangen und selbst diejenigen von uns, die denken, am Ende wenig von der Sprache selbst gelernt zu haben, haben eine andere Kultur kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen und sich vielleicht sogar selbst ein bisschen besser kennengelernt. Denn ganz egal, wohin es einem am Ende verschlägt, Reisen bildet. J